Be water my friend – Was Kampfsport für mich bedeutet und was ich daraus lerne

Seit nun 4 Jahren mache ich verschiedene Kampfsportarten. In diesem Beitrag teile ich mit dir, wie mir das in meinem Alltag weiterhilft und warum ich es so liebe.

Kampf

​Quelle: pexels.com

Brutal, rücksichtslos und voller Verletzungen – So wirkt Kampfsport für sehr viele Menschen nach außen. Doch in Wahrheit steckt viel mehr dahinter. Es ist eine Philosophie, ein Lebensstil und man kann soviel daraus lernen.

Ich selbst habe mit 18 Jahren begonnen Selbstverteidigung zu lernen. Während meiner zwei Jahre Erfahrung habe ich unter Anderem Kickboxen, Kung Fu und Krav Maga kennengelernt und zum Schluss sogar Andere darin unterrichtet. Als ich nach München gezogen bin, bin ich dem Brazilian Jiu Jitsu begegnet und konnte seitdem nicht mehr damit aufhören. Für alle, die so gar keine Ahnung haben, was das alles ist, habe ich eine Erklärung verlinkt. Für jemanden, der sein Leben lang Sport praktiziert und geliebt hat, war es unfassbar einen Sport zu finden, bei dem es normal ist nach jeder Einheit sein Limit erreicht zu haben und auch mal 5 oder 6 Mal pro Woche zu trainieren. Endlich hatte ich eine Gemeinschaft gefunden, in der Sport und auch Wettkampfbetrieb ernst genommen wurde (Das war leider bei anderen Sportarten nicht immer so).

Jedenfalls habe ich in diesen 4 Jahren gelernt, dass es um viel mehr geht, als körperliche Aktivität. Kampfsport schult den Geist, die Koordination, die Ausdauer, die Kraft und die Beweglichkeit – das ist in zahlreichen Studien belegt. Und Studien zeigen außerdem auch, dass Leichtathletik, Eishockey und Motorsport wesentlich verletzungsreicher sind – aber das nur am Rande. 

Wer Kampfsport in einem richtigen Verein macht, der wird gelehrt auf seinen Körper zu hören, die Energie fließen zu lassen und intuitiver zu werden. Mein Kung Fu Lehrer liebte das Prinzip von “Eisen und Seide”, wonach man immer im richtigen Moment weich, aber auch steinhart sein muss. Dieses Prinzip habe ich einfach auf mein Leben adaptiert. in Phasen, in denen viel zu tun ist, Kritik auf mich zu kommt oder ich etwas sehr schweres machen muss, bin ich Eisen. Ich zieh es durch ohne zu zögern, plane und setze es diszipliniert um. Genauso gibt es aber Phasen, wie im Urlaub zum Beispiel, wo ich einfach den Tag fließen lasse, mich auf alles einlasse und genieße.

Wie überall geht es hier um das richtige Gleichgewicht. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Nicht nur Kampfsport, sondern regelmäßige Bewegung allgemein fördert die Disziplin, den “eisernen Willen”, lässt einen ausdauernder und produktiver werden. Ich liebe Studien, allerdings brauche ich sie gar nicht. Schau dich einfach in deinem Umfeld um. Gibt es da einen Sportler, der dauerhaft Probleme hat sich zu motivieren? Oder chronisch unglücklich ist? Oder sind das nicht viel öfter Menschen, die kaum Kontrolle über ihr Leben und ihren Alltag haben?

Sport macht glücklich, vor allem wenn man es gerne tut. Falls du – wie ich – auf Studien stehst, mach dich doch mal auf Google schlau. Ich werde oft schief angeschaut, wenn ich erzähle, dass ich Kampfsport mache, doch woher kommt das? 

Nun ich denke, die Menschen haben ein falsches Bild davon. Wer denkt, dass Kampfsport bedeutet, dass man sich oberkörperfrei in einem Ring blutig schlägt, der liegt falsch. Es gibt unzählige Arten von Kampfsport und für Jeden die Richtige. Man muss sich nur auf den Weg machen, sich selbst und seine Sportart zu finden. Vor einem Jahr habe ich das Jeet Kun Do von Bruce Lee gelesen. Er schreibt, dass es genauso viele Kampfsportarten, wie es Menschen auf der Erde gibt. Seine Philosophie war, dass er seine Fähigkeiten niemandem beibringen kann, sondern lediglich Techniken zeigt, die Anderen helfen den Weg (Dao) selbst zu gehen. Ich bitte dich hier nicht Kampfsport zu beginnen. Ich möchte dir lediglich zeigen, dass es manchmal viel mehr gibt, als man auf den ersten Blick denkt. Vielleicht denkst du dies oder jenes ist einfach so. Oder du denkst es gibt keine Alternativen.

Ich sage dir: Die gibt es. Alles was wir sehen und denken ist subjektiv. Wir machen uns die Welt so, wie sie uns gefällt. Ich bitte dich also mit diesem Beitrag deine Augen zu öffnen und die Dinge ein Stückchen mehr so zu sehen, wie sie wirklich sind – neutral. Jede Situation ist das, was wir daraus machen – es beginnt bei dir. Triff die richtigen Entscheidungen, sei hart, wenn es drauf an kommt, aber lass dich treiben, wenn du kannst. Be water, my friend.

PS: Wer weiß, vielleicht gefällt dir ja Kampfsport doch. Geh doch mal zu einem Probetraining, schau dich um. Teste verschiedene Arten und finde deinen eigenen Weg – vielleicht erschaffst du eine völlig neue Art zu kämpfen? Es ist dein Weg, du musst nur beginnen ihn zu gehen. 

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